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Stinkpflanzen-Ecke

Bituminaria bituminosa

Der Name Asphalt-Klee (Bituminaria bituminosa) sagt schon alles über den "Duft" dieser Stinkpflanze.

Mögen Sie den Duft von Lilien – ganz aus der Nähe? Oder den von Hyazinthen oder den der Tuberose direkt an der Blüte? „Stinken“ die Blüten, riechen sie streng oder duften sie? Oder alles zugleich? Oft kommt es auf die Dosierung an oder das Alter der Blüte. Auf jeden Fall duften die Blüten aller drei genannten Pflanzen sehr intensiv. Steckt man die Nase direkt in die Blüten und atmet den Duft kräftig ein, kann das zu dem Empfinden führen: Die stinken! Aus der Ferne dagegen, z. B. wenn man einen Raum betritt, in dem eine solche Blume steht, ist man eher erfreut über den Wohlgeruch, der sich im Raume ausgebreitet hat. So hängt von der Konzentration eines Stoffes in der Luft das Empfinden der Geruchsqualität ab. Z. B. besitzt Skatol, der wesentliche Bestandteil im Kot, in niedrigen Konzentrationen Jasminduft, erst höhere Konzentrationen „stinken zum Himmel“. Zu den richtigen Stinkpflanzen gehören solche Pflanzen deshalb nicht.

Eruca vesicariaStinkpflanzen ist zu eigen, dass sie im Allgemeinen Ablehnung, Unmutsäußerungen oder Assoziationen mit üblen Gerüchen auslösen. Wer mag schon Schimmel-, Aas-, Leichen- oder strengen Tiergeruch?

Die bekannteste einheimische Stinkpflanze- vielfach gefilmt und beschrieben- ist der Aronstab (Arum maculatum). Ein einem Trichter ähnliches, fahlgrünes Hochblatt besitzt in der Mitte einen purpur-braunen Kolben, den Blütenstand. Dieser sondert einen Aasgeruch ab und lockt so Insekten an, die bei diesem Geruch eine Nahrungsquelle wähnen. Beim Besuch der Blüte erfolgt dann die Bestäubung. Wunderschön ist der spätere Samenstand: Eine Ähre mit roten Beeren, die alleine stehend bis zu 20 cm aus dem Boden ragt. Der Aronstab bevorzugt feuchte Laubmisch- und Auwälder. Er ist oft mit Bärlauch vergesellschaftet. 
Die spektakulärste Stinkpflanze aus der Familie der Araceae ist die Drachenwurz
(Dracunculus vulgaris). In einem englischen Gartenpflanzenbuch findet man diese Beschreibung: „This species is not a plant, you would want to grow beside your front door". Die bis zu 30 cm große, attraktive, burgunderrote Scheinblüte mit Kolben verströmt einen intensiven fauligen Duft, der den Aufenthalt in der Nähe unmöglich macht. Grillpartys mussten wegen ihr schon verlegt werden.
In der „Stinkpflanzen-Ecke“ unseres Duftgartens findet man andere muffelnde Pflanzen wie z.B. den Anmutigen Bartfaden (Penstemon venustus) und die einjährige Brokatblume (Salpiglossis sinuata). Hier sind es die Blätter, die bei beiden Pflanzen besonders an feucht warmen Tagen nach alten Socken und Mausleiche riechen. Trotzdem sind es attraktive Gartenpflanzen. Der Bartfaden blüht reich mit blauen, später ins rosafarbene tendierenden Blüten von Juni bis August und ist an trockenen Standorten auch bei uns winterhart. Die Brokatblume ist eine der schönsten Sommerblüher. Die trompetenförmigen, bis zu 10 cm großen Blüten erscheinen von Juni bis in den September in den verschiedensten Farben von gelb über rot, pink bis blau. Sie sind von vielen auffallend gefärbten Nervenbahnen durchzogen. Leider mögen sie keinen nasskalten Sommer, weshalb sie nur in warmen, trockeneren Jahren gut gedeihen.

Eine bei Berührung penetrant nach Ziegenbock riechende Pflanze ist die Stinkstrohblume (Helichrysum foetidum). Als Wappentier im Vereinswappen des 1. FC Köln wird der Ziegenbock wie die nach Ziegenbock riechende Pflanze von den Fans jedoch geliebt. Für Trockengestecke dezent verwendbar, gedeiht sie einjährig an trockenen, sonnigen Standorten. 
Auf Berührung unangenehm riechende Pflanzen sind auch der Asphaltklee (Bituminaria bituminosa) – wie frisch geteerte Straße (Besucher im Duftgarten waren vor einiger Zeit sehr angetan: „Damit werden in Thailand Gemüsegerichte gewürzt" (lecker…). Der mehrjährige Rucola (Eruca vesicaria) riecht wie angebrannter Schweinebraten oder heißgelaufenener Gummireifen, aber genießen Sie ihren Rucolasalat oder die Rucolapizza ruhig weiter. Man kann ihn nur ablehnen oder lieben.

Blattkoriander

Besonders heftige Reaktionen löst der Stinkgänsefuß (Chenopodium vulvaria). Letzterer riecht wie vier Wochen alter Hering und der Duft bleibt ganz gut an Händen und Kleidung haften. Wie die Drachenwurz - eine Pflanze für mutige, interessierte Duftgartenbesucher.
Zwischen Duft (Aroma) und Gestank könnte man den Blattkoriander einordnen. In den südamerikanischen und südostasiatischen Ländern als unersetzbares Gewürz in vielen Speisen geliebt und geschätzt, findet es in europäischen Ländern scheinbar nur dort Freunde, wo diese, oben erwähnte Länder schon mal besucht und somit Bekanntschaft mit diesem köstlichen Gewürz gemacht haben. Man kann das auch nachvollziehen, denn bei uns assoziiert man mit dem Duft des Krautes, den Geruch von Wanzen. Bei der Gartenarbeit kommt man oft in Berührung mit den Tieren, die sich dann durch Aussonderung eines Sekrets (Buttersäure) wehren wollen. Tatsächlich haben die Blätter des „Wanzenkrauts“ etwas von diesem Duft.

Hat man im Kopf mal diese „Wanzensperre“ überwunden, entwickelt sich das Kraut zu einer nicht mehr wegzudenkenden Bereicherung des heimischen Würzangebots.

Bereits im Altertum benannte Stinkpflanzen sind z.B. Knoblauch (Allium sativum) und der Stinkasant oder Teufelsdreck (Ferula asa-foetida). Sie besitzen schwefelhaltige Verbindungen, die faulig riechen können. Der Stinkasant wird auch als fäkalartig- faulig riechend beschrieben und wurde wie der Knoblauch als Dämonen und böse Geister abwehrendes Mittel eingesetzt. Interessant ist, dass beide Pflanzen in verschiedenen Kulturen als Aphrodisiaka genutzt werden. 
Zum Schluss seien noch zwei Pflanzen erwähnt, die schon seit Alters her Eingang in den Heilkräuterschatz der Menschen gefunden hatten: Baldrian (Valeriana officinalis) und Hopfen (Humulus lupulus). Sie werden als beruhigende Heilmittel sehr geschätzt und Hopfen ist unverzichtbarer Bestandteil des Bieres. Der Duft jedoch ist eigenartig: Die getrockneten Wurzeln des Baldrians erinnern in ihrem Duft stark an den Duft von Katzenurin. Bereits im Kräuterbuch des O. Brunsfels (1534) wird das „Katzenkraut“ erwähnt: „Die wurtzel ist eines wolrychenden geruchs, welchen die Katzen gern rychen, dann sye damit ihr gesicht stercken…“
Den weiblichen Blüten des Hopfens entströmt ein ebenso seltsamer, süßer Duft. Gut, dass er sich im Bier nicht wiederfindet…