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Zur Verbreitung, Züchtung und Verarbeitung von Pfefferminze und Krauseminze

Hartwig Schulz und Hans Krüger*

Wie aus den griechischen Heldensagen überliefert wird, wurde Pluto am Berg „Minthi" zusammen mit der Nymphe Minthe, der Tochter von Ceres, von seiner Frau Persephone bei einem Rendezvous überrascht. Zur Bestrafung wurde Minthe daraufhin von Persephone in eine „süßlich-duftende"Pflanze verwandelt. Seitdem sollen sich in dieser Region unterschiedliche Minzpflanzen ausgebreitet haben.

Wissenschaftlich gesichert ist, dass zahlreiche Minzarten wie z.B. Poleyminze (Mentha pulegium) und Krauseminze (Mentha spicata) im Mittelmeerraum stark verbreitet sind und bei den dort ansässigen Völkern bereits seit langem als Gewürz und Heilmittel Verwendung fanden.

Aus Grabbeilagen sowie durch schriftliche Überlieferungen weiß man, daß schon I000 Jahre vor unserer Zeitrechnung Mentha-Pflanzen im alten Ägypten angebaut und für medizinische Zwecke verwendet wurden. Die Minzpflanzen wurden damals offensichtlich recht teuer gehandelt, da sie auch als „Zehntenabgabe" zur Begleichung der Steuerschuld akzeptiert wurden.

Karl der Große, der den umfassenden Anbau von Kräuterpflanzen in seinem Reich propagierte, hat im so genannten „Capitulare de villis", dessen Faksimile noch heute im Städtischen Museum von Aachen eingesehen werden kann, unter anderem über das Vorkommen von drei Minzarten berichtet, ohne jedoch botanisch verwertbare Hinweise zur Morphologie dieser Pflanzen zu überliefern.


Botanisches

Auch in den späteren mittelalterlichen Schriften gibt es zu den erwähnten Minzarten kaum gesicherte Erkenntnisse über den botanischen Ursprung.
Die ältesten Pfefferminzpflanzen mit authentischer Herkunft stammen aus der englischen Ortschaft Mitcham und sind heute noch im Herbarium des Britischen Museums in London zu sehen. Pfefferminzsorten vom Typ ,Mitcham', die sich neben einem vergleichsweise hohen Ölertrag insbesondere durch eine hinreichende Winterhärte auszeichnen, sind nach wie vor im Anbau weit verbreitet.
Man geht heute davon aus, dass die ersten Minzpflanzen aus dem Fernen Osten (China und Japan) über Nordafrika und Südeuropa nach England kamen und dort kultiviert und züchterisch bearbeitet wurden. Von den ca. 25 heute bekannten Arten der Gattung Mentha, die wiederum zahlreiche primäre und sekundäre Hybride sowie intraspezifische Rassen und Chemotypen aufweisen' 2, haben insbesondere die Pfefferminze (Mentha piperita L.) und die Krauseminze (Mentha spicata L.) eine herausragende industrielle Bedeutung erlangt. Von dem unter der Bezeichnung „Spearmint oil" im Handel befindlichen ätherischen Öl wird lediglich ca. 1/3 der produzierten Menge aus M. spicata gewonnen. Der deutlich größere Anteil, der als „Scotch spearmint oil" vermarktet wird, stammt dagegen aus der Destillation von Mentha cardiaca Gerard ex Baker. Bezüglich der Zusammensetzung der ätherischen Öle ähneln sich diese beiden Mentha-Arten, jedoch weist das aus M. cardiaca destillierte Öl einen höheren Limonengehalt auf.

Darüber hinaus werden auch noch die blühenden Sproßspitzen von Mentha pulegium L. sowie die aus Blättern von Mentha citrata (Hybrid von M. aquatica L. und M. viridis L.) erhaltenen Öle als Rohstoffe in Seifen-Parfümierungen und. Mundpflegemitteln eingesetzt.
Desweiteren wird zur Gewinnung von natürlichem Menthol aus dem getrockneten Kraut von Ackerminze (Mentha arvensis L.) ein Rohöl gewonnen, das bis zu 80 % dieses Monoterpen-Alkohols enthält. Die Menthol-Kristalle werden üblicherweise in der Kälte abgeschieden oder teilweise auch durch fraktionierte Destillation abgetrennt; das auf diese Weise „dementholisierte" Öl kommt dann unter der Bezeichnung „japanisches Pfefferminzöl" in den Handel. Aufgrund der im Vergleich zu Pfefferminzöl auffälligen Bitternote bestehen Einsatzmöglichkeiten von Arvensisölen im Geschmackstoffbereich nur in Mischungen mit anderen Minzölen. Während bis Mitte der 70er Jahre M. arvensis hauptsächlich in Brasilien angebaut und verarbeitet wurde, befinden sich heute die Hauptanbaugebiete für Ackerminze in China und Indien.
Das dementholisierte Arvensis-Öl dient darüber hinaus zur destillativen Gewinnung von Menthon sowie zur Isolierung von natürlichem cis-3-Hexenol und Octanol, die wichtige Rohstoffkomponenten für natürliche Aromakompositionen darstellen. Neben den angeführten, kommerziell genutzten Mentha-Arten sind auch noch zahlreiche andere Minzgenotypen und -sorten bekannt, die eine breite Palette unterschiedlicher Fruchtnoten aufweisen. Anzuführen ist in diesem Zusammenhang die Apfelminze (Mentha villosa, var. Alopecuroides), deren
vergleichsweise große, stark behaarte oval-förmige Blätter einen an Boskop-Äpfel erinnernden Geruch mit einer minzigen Kopfnote abgeben. Außerdem gibt es noch einige Minzsorten, die durch verschiedene Citrus-Aspekte auffallen, wie z. B. M. piperita ,Grapefruit', M. piperita ,time' sowie die in geringen Mengen auch kommerziell genutzte Art M. citrata.
Vom äußeren Erscheinungsbild besonders auffällig ist die Ananas-Minze (M. suaveolens,Variegata'), deren Blätter an den Rändern teilweise kein Chlorophyll produzieren und infolgedessen hellgelb erscheinen.


Züchtung und Anbau

Aus zytologischen Forschungen ist bekannt, dass es sich bei der Pfefferminze um einen Tripelbastard aus M silvestris (Roßminze), M. rotundifolia (Rundblättrige Minze) und M. aquatica (Wasserminze) handelt, der sich offensichtlich zufällig in der Natur gebildet hat. Aus den Ergebnissen von Züchtungsversuchen weiß man, dass Geruch und Geschmack der Pfefferminzblätter „feiner" werden, je mehr Anteile von M. aquatica in dem neu erzeugten, pflanzlichen Genom enthalten sind.
Der Anbau von Pfefferminze erfolgt mit Stecklingen oder Ausläufern (Stolonen); eine generative Vermehrung kommt nicht infrage, da die Nachkommenschaft des Pfefferminz-Bastards wieder aufspalten würde und dementsprechend die charakteristischen Qualitätseigenschaften verloren gingen. Die Stecklinge werden etwa Ende Mai, noch vor der Blüte, durch Abschneiden der Spitzen (Triebspitze und ein Blattpaar) einem bestehenden Pfefferminzbestand entnommen und im Gewächshaus bei hoher Luftfeuchtigkeit in Sand bewurzelt [Abb.2]. Nach Erreichen der Pflanzfähigkeit werden die bewurzelten Stecklinge bei einer Reihenentfernung von ca. 70 cm und einem Abstand in der Reihe von ca. 35 cm in das Freiland ausgepflanzt.
Die Stecklingsbestände dienen gewöhnlich weniger der Gewinnung der Teedroge als vielmehr der Produktion von Stolonen. Nach dem Schnitt erfolgt im Spätherbst die Rodung der Kopfstecklingspflanzen und die Teilung der Stolone in ca. 15 cm lange Abschnitte.
Möglichst ohne Zwischenlagerung werden dann die Stolone von Hand als laufendes Band in die vorbereiteten Reihen gelegt. Unmittelbar danach erfolgt das Zudecken der Reihen mit Häufelgeräten. Aus 1 ha Stecklingsfläche werden die Stolone für etwa 5 ha Produktionsfläche erhalten. In analoger Weise werden auch die Pflanzungen von Ackerminze angelegt, nur dass hier die Reihenabstände etwas größer sind.

Bereits im zweiten Anbaujahr haben sich dann so viele Sproßausläufer gebildet, dass die Reihen nicht mehr erkennbar sind. Die Pfefferminzbestände werden im allgemeinen zwei- bis dreimal im Jahr geschnitten und spätestens nach drei Jahren umgepflügt, da ab diesem Zeitpunkt der Ölgehalt in den Pflanzen bereits merklich abnimmt.

Der erste Schnitt wird generell vor der Blüte etwa Mitte Juni durchgeführt; ein zweiter Schnitt erfolgt dann gewöhnlich Mitte August. Bei starker Anfälligkeit gegenüber Pfefferminzrost, einer durch die Pilzart Puccinia menthae verursachten Krankheit, kann der zweite Schnitt auch etwas vorgezogen werden, um dann im September noch einen dritten folgen lassen zu können. Insgesamt ist jedoch die Anzahl der Ernteschnitte in erheblichem Maße von den Bewässerungsmöglichkeiten sowie den damit verbundenen Kosten abhängig.

Unter den Arznei- und Gewürzpflanzen, die in Deutschland produziert werden, nimmt der Pfefferminzanbau mit mehr als 400 ha, nach Kamille (666 ha), Majoran (558 ha) und Blattpetersilie (547 ha), noch einen vergleichsweise hohen Stellenwert ein. Davon entfällt auf Thüringen allein eine Anbaufläche von 303 hab. Im Gegensatz zu der in Nordamerika angebauten Pfefferminze, die hauptsächlich als Rohstoff für die Gewinnung des ätherischen Öls dient, wird die heimische Pfefferminze nahezu ausschließlich als Tee oder Teebeimischung verwendet.
Seitdem in Westdeutschland im Jahre 1956 der Drogen- und Gewürzmarkt für ausländische Importe geöffnet wurde, ging der Pfefferminzanbau, der hauptsächlich im süddeutschen Raum konzentriert war, drastisch zurück. Über die Geschichte des dortigen Pfefferminzanbaus kann man sich heute noch in einem kleinen Museum in Eichenau in der Nähe von München informieren. Anhand der damals beim Anbau und bei der Ernte eingesetzten Maschinen und Geräte werden die Anfänge der Pfefferminz-Kultivierung im Allinger Moos seit 1918 bis zur Blütezeit um 1939 veranschaulicht.

Die Biosynthese der in den kommerziell verwendeten Mentha-Ölen vorkommenden Hauptkomponenten ist heute weitgehend bekannt. Durch In-vivo- und In-vitro-Versuche konnten darüber hinaus die meisten Zwischenstufen mit den jeweils an den Reaktionen beteiligten Enzymen aufgeklärt werden.

Vor einigen Jahren gelang es außerdem, ein Gen, das für die Kodierung eines Schlüsselenzyms (4S-Limonen-Synthase) verantwortlich ist, zu isolieren und zu charakterisieren.

Die vorrangigen Zuchtziele bei Pfefferminze bestehen darin, den Blattanteil auf über 6o% und den Gehalt des ätherischen Öls auf mindestens 3,0 ml/100 g Droge zu erhöhen. Darüber hinaus sollten die Pflanzen für die Vermehrung einen guten Stolonenertrag liefern und eine ausreichende Resistenz gegenüber Pfefferminzrost aufweisen.

Die heute noch in Deutschland wegen ihrer Rostresistenz verbreitete polyploide Pfefferminzsorte ,Multimentha' wurde Ende der 5oer Jahre in Quedlinburg aus Mitcham-Typen entwickelte; die Sortenanmeldung erfolgte dann im Jahre 1958.

Im Zuchtgarten der heutigen Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen in Quedlinburg wurde bereits vor einigen Jahren ein Pfefferminzpflanzen-Sortiment ausgepflanzt und entsprechend unterhalten. Dies geschah einerseits mit dem Ziel, einen Beitrag zum Erhalt insbesondere von osteuropäischen Sorten nach dem Zusammenbruch des östlichen Wirtschaftsgefüges zu leisten; zum anderen sollte die stoffliche Vielfalt in der Matrix „Pfefferminze" zur Entwicklung neuer, züchtungsspezifischer Analysetechniken genutzt werden [Abb.4]. Wie anhand der Tabelle 1 zu erkennen ist, unterscheidet sich die Ölzusammensetzung innerhalb dieses Sortiments in erheblichem Ausmaß; dies betrifft insbesondere die analysierten Mentholgehalte. Während die Sorten , Minze A', ,Minze B' und , ,Mentholna' die höchsten Anteile dieser Terpenverbindung aufweisen, liegt bei der vornehmlich als Teedroge eingesetzten Sorte ,Multimentha' der Mentholgehalt im Öl lediglich bei ca. 24-25 %. Demgegenüber werden bei den Sorten ,BP 83' und ,Multimentha' auffällig hohe Menthongehalte festgestellt. Bei der sensorischen Prüfung des Pfefferminz-Sortiments wurde der Teeaufguß von ,Multimentha' am besten bewertet. Diese Sorte zeichnet sich durch einen typisch aromatischen, abgerundeten minzigen Geschmack ohne störende Bitternoten und dominierende Mentholanteile aus.

Bei der in Frankreich angebauten Pfefferminze (Verwaltungsbezirke Wonne und Du Nord) handelt es sich hauptsächlich um die Sorte ,Red Mint', die den Vorteil besitzt, 4-5 Jahre lang auf demselben Feld kultiviert werden zu können. Die Gewinnung des Rohöls und die weitere Raffination erfolgt dann überwiegend in den Regionen Grasse und Cannes sowie in den Basses-Alpes und in der Haute-Garonne. In Italien liegen die bedeutendsten Pfefferminzanbaugebiete im Piemont sowie in Sizilien. Die hier erzeugten ätherischen Öle sind von sehr guter Qualität und ähneln bezüglich der Zusammensetzung den Mitcham-Typen aus England.
Im Gegensatz zur Pfefferminz-Produktion nimmt der Anbau von Krauseminze in Europa eine eher untergeordnete Bedeutung ein, obwohl die in Deutschland zumeist verwendeten Sorten ,Erfurter', ,Mencris' und ,Misia' widerstandsfähiger als Mentha piperlta sind und auch in schattigen Lagen gute Erträge liefern. Die Hauptanbaugebiete von Krauseminze befinden sich in den USA im Bundesstaat Washingthon. Der Anbau dient hier nahezu ausschließlich der Gewinnung des ätherischen Öls (ca.1500 Jahrestonnen), das neben 50-80 % Carvon insbesondere Limonen, Dihydrocarvon, Dihydrocarveol und Menthon enthält. Angeführt sei an dieser Stelle, daß das in Krauseminzöl vorkommende (-)-Carvon den optischen Antipoden zu dem im Kümmelöl enthaltenen (+)-Carvon darstellt. Dabei unterscheiden sich diese Enantiomere nicht nur in ihrer stereochemischen Anordnung, sondern auch in ihrem Geruch.

Im Bundesstaat Oregon gewinnt darüber hinaus seit 1991 der Anbau einer speziellen Krauseminze-Varietät (,Eromenth ITM) , deren Öl neben geringen Anteilen Neo-Menthol, ß-Caryophyllen und Germacren D hauptsächlich L-Menthon und D-Isomenthon aufweist, zunehmend an Bedeutung.
Die erfolgreiche Einführung dieser Neuzüchtung ist insbesondere auf die erhöhte Toleranz der Pflanzen gegenüber dem Erreger der Verticilhum-Welke sowie mit dem geringen Insektenbefall zu erklären.

Darüber hinaus wächst diese Sorte deutlich schneller als Pfeferminze (größerer Ertrag) und benötigt seltener eine Behandlung mit Herbiziden und Insektiziden. Einsatzbereiche für das aus den Pflanzen gewonnene Öl bestehen hauptsächlich in der Aromen- und Parfümölbranche, insbesondere bei der Kreation „weicher" Minznoten.

Herstellung der Droge

Der heimische Bedarf an Pfefferminze wird heute von den wenigen marktbeherrschenden Teeproduzenten aus Kostengründen zunehmend aus dem Ausland gedeckt. Chancen für den Anbau in Deutschland bestehen in der Produktion von Pfefferminze für Teemischungen; teilweise werden aber auch hochwertige Arzneitees (z.B. ,Thüringer Pfefferminze'TM), für die in der Regel feste Anbau-Lieferverträge bestehen, hergestellt.
Das Trocknen des Pfefferminzkrautes geschieht üblicherweise auf Flächenrost- oder Bandtrocknern bis zu einer Restfeuchte von 8-lo %. Auf Flächentrocknern wird das Kraut gleichmäßig aufgebracht, zwangsbelüftet bei Trocknungstemperaturen von ca. 40°C und nach Abschluss des diskontinuierlichen Trocknungsprozesses durch Schneiden, Sieben und Sichten zu Pfefferminzfeinschnitt oder Konzisware verarbeitet. Bandtrockner stehen häufig in Verbindung mit einem sogenannten Krüllschnitt des Krautes.
Der Krüll wird durch Schneiden des Krautes im frischen Zustand gewonnen und die Stengelanteile durch „Windsichten" entfernt. Die auf diese Weise gewonnene „Fastblattware" eignet sich besonders gut für so genannte „offene Tees". Für die Konfektionierung, z.B. im Tee-Aufgussbeutel, werden schließlich die einzelnen Pfefferminzsorten, ggf. in Kombination mit anderen Teedrogen, entsprechend der jeweiligen Rezeptur homogenisiert und abgefüllt.

Gewinnung des ätherischen Öls

Das von den Minzpflanzen produzierte ätherische Öl wird in so genannten Ölzellen, die sich vorwiegend an der Ober- und Unterseite der Blätter befinden, gespeichert (Abb.5). In den Stengeln der Pflanze finden sich dagegen nur wenige Ölzellen. Den höchsten Ölgehalt findet man in den Triebspitzen und Blütenknospen. Ebenso enthalten die jüngeren Pfefferminzblätter generell mehr ätherisches Öl als die älteren. Bei Sorten mit besonders hohem Mentholgehalt können teilweise an besonders heißen Sommertagen kleine Mentholkristalle auf den Pfefferminzblättern beobachtet werden. Diese Fähigkeit, die aus dem sekundären Stoffwechsel stammenden Biosyntheseprodukte in speziell hierfür geeigneten Pflanzenzellen anzusammeln und somit dem weiteren pflanzlichen Stoffwechsel zu entziehen, hat sich im Verlauf der Evolution als wirksame Schutzfunktion bei zahlreichen Aromapflanzen ausgebildet, da man annehmen kann, dass die in den Ölzellen gespeicherten Sekundärstoffe aufgrund ihrer bakteriziden und fungiziden Wirksamkeit die Konkurrenzfähigkeit der Pflanze im Ökosystem insgesamt erhöhen.
Im Verlauf der Ontogenese steigt der Ölgehalt stetig an und erreicht während der Blüteperiode ein Maximum. Auch die Zusammensetzung des Öls variiert im: Verlauf der pflanzlichen Entwicklung erheblich.

Während zu Beginn der Menthongehalt in den Blättern noch überwiegt, steigt der Menthol- und Menthylacetatgehalt bis zur Ausbildung des Blütenstandes deutlich an. Außerdem nimmt der Anteil des qualitätsmindernden Menthofurans, das sich bevorzugt in den Blüten der Pfefferminzpflanze entwickelt, im Bereich des Erntetermins sprunghaft.

Für die Ölgewinnung wird das geschnittene Kraut entweder direkt in Destillationscontainer gefördert, oder man lässt die jeweilige Minzart zunächst 1-2 Tage auf dem Feld antrocknen. Bei Verwendung der frischen Droge während der Destillation treten allerdings vermehrt Verharzungen auf, die zu einer unerwünschten Dunkelfärbung der ätherischen Öle führen. Außerdem lassen sich die frischen Minzkräuter wesentlich schlechter aufschließen, was in einer deutlichen Verlängerung des Destillationsprozesses sowie in einem deutlich erhöhten Wasserdampfbedarf zum Ausdruck kommt. Das angetrocknete Kraut wird ebenfalls häufig in transportable Destillationsbehälter befördert und mit Fahrzeugen zu den Feld-Destillationsanlagen gebracht [Abb.6 und 7]. Der für die Gewinnung des Rohöls benötigte Wasserdampf wird in entsprechenden Dampfkesseln vor Ort erzeugt

Bei ausreichend vorgetrocknetem Kraut wird für die Destillation des Öls im Mittel eine Stunde benötigt. Der verbleibende Destillationsrückstand wird anschließend auf das Feld zurücktransportiert und dient so der zusätzlichen Düngung. Bei günstigen Witterungsverhältnissen werden in den Hauptanbaugebieten der USA Ölerträge von mehr als 150 kg/ha erzielt.
Die vollständig ausdestillierten Öle werden anschließend mittels Vakuumdestillation aufbereitet, um den Anteil färbender Substanzen sowie unerwünschter Geruchs- und Geschmackskomponenten zu minimieren. Entsprechend den unterschiedlichen Aufbereitungsschritten gelangen dann die Öle als einfach, doppelt oder dreifach destillierte Qualitäten in den Handel.

Die aus Mentha arvensls hergestellten Öle werden im allgemeinen bereits in den jeweiligen Ursprungsländern zur Mentholgewinnung genutzt. Durch Ausfrieren wird hierbei der Mentholgehalt der Rohöle von ca. 80-90 % auf ca. 50 % reduziert. Das auf diese Weise erhaltene „dementholisierte Ackerminzenöl" ähnelt bezüglich der inhaltsstofflichen Zusammensetzung dem aus M. piperita gewonnenen Öl und wird daher auch als preiswerter Ersatz für „echtes" Pfefferminzöl bei bestimmten Applikationen verwendet.

Durch Mischen von Mentha-Ölen aus unterschiedlichen Provenienzen werden schließlich standardisierte Öle erhalten, die sich an den jeweiligen Anforderungen der Riech- und Geschmackstoffindustrie und deren Kunden orientieren.

Qualitätskontrolle

Die jeweiligen Qualitätsanforderungen an die Pfefferminz- bzw. Krauseminzdroge orientieren sich im Wesentlichen an den Monographien der jeweiligen Arzneibücher wie z.B. dem DAB. Demnach wird für pharmazeutische Anwendungen (ganze Blätter) ein ätherischer Ölgehalt in Pfefferminze von mindestens 12 ml/kg gefordert; für die geschnittene Droge ist ein Mindestgehalt von 9 ml/kg vorgeschrieben. Die individuelle Zusammensetzung der Minzöle ist sowohl im DAB als auch in den einzelnen Normen der Internationalen Standard Organisation (ISO) detailliert beschrieben. Das aus den luftgetrockneten Blättern mittels Hydrodestillation gewonnene Öl wird hierzu üblicherweise gaschromatographisch aufgetrennt und die qualitätsbestimmenden Hauptkomponenten nach der 1oo %-Methode quantifiziert. Außerdem werden chemische und physikalische Kenndaten wie Dichte, Brechungsindex, optischer Drehwert, Säurezahl, Esterzahl und Acetylesterzahl bei der Qualitätsbeurteilung des ätherischen Öls bestimmt, da diese Parameter vergleichsweise kostengünstig ermittelt werden können und zumindest eine grobe Klassifizierung der Ölqualität zulassen.

Zur eindeutigen Unterscheidung von dementholisiertem Ackerminzenöl und Pfefferminzöl kann Isopulegol als Leitsubstanz herangezogen werden, da diese Komponente im Öl von M. piperita nicht vorkommt. Außerdem können in Arvensis-Ölen noch geringe Anteile an Sesquiterpenen wie z.B. Epoxydihydrocaryophyllen nachgewiesen werden, die ebenfalls als für diese Art spezifisch zu werten sind. Entsprechend können auch geringe Gehalte an Menthofuran in Ackerminzenöl als Verschnitt mit Pfefferminzöl interpretiert werden.
Die Authentizität der einzelnen Mentha-Öle kann außerdem sehr zuverlässig über die Enantiomeren-Verhältnisse der optisch aktiven Terpeninhaltsstoffe (-)-Menthon, (+)-Neomenthol, (+) -Isomenthon,(-)-Menthol, (+)-Neoisomenthol und (-)-Menthylacetat nachgewiesen werden.

Allerdings ist es auf diese Weise nur möglich, Synthesezusätze festzustellen; Verschnitte mit anderen Minzölen bleiben, sofern sie nicht untypische Inhaltsstoff-Profile aufweisen, unerkannt. Da die angeführte Probenvorbereitung mittels Hydrodestillation und die sich anschließende gaschromatographische Untersuchung relativ zeitaufwendig und kostenintensiv sind, wurde in jüngster Zeit eine neue Methode entwickelt, mittels Nah-Infrarotspektroskopie (NIRS). den Gehalt und die Zusammensetzung von ätherischen Ölen schnell und sicher in einem Analysengang zu bestimmen.

Auf diese Weise ist es möglich, innerhalb weniger Sekunden den Ölgehalt sowie die wichtigsten terpenoiden Inhaltsstoffe des ätherischen Öls simultan in den Blattproben zu bestimmen. Damit steht eine neue, effiziente Methode zur Verfügung, um den optimalen Erntetermin des jeweiligen Minztyps (z.B. bei Pfefferminze möglichst hohe Öl-/Menthol- und niedrige Menthofurangehalte) innerhalb enger Zeitintervalle festlegen zu können.

Darüber hinaus lässt sich die NIR-Spektroskopie auch zur schnellen Qualitätskontrolle handelsüblicher Mentha Öle zuverlässig einsetzen. Dabei gelingt es, sowohl qualitative Differenzierungen marktüblicher Qualitäten als auch quantitative Aussagen zur jeweiligen Ölzusammensetzung in weniger als einer Minute durchzuführen.


*Dir. u. Prof Dr. H. Schulz und Dr. H. Krüger, Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen, Institut für Qualitätsanalytik, Neuer Weg, Quedlinburg



Aus dragoco report 03/1992
Mit freundlicher Genehmigung

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