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Wildpflanzen künstlich ansiedeln oder nicht?

Fallbeispiel Feldrain. Der Baden-Württemberger Agrarbiologe Stephan Krebs wartete zehn Jahre lang, ob sich auf vorbereiteten Parzellen Wildpflanzen von Blumenwiesen alleine ansiedelten.Fehlanzeige, er wartet noch heute auf ökologisch wünschenswerte Arten. Dafür kann man noch jetzt sehen, wo welche Einsaatmischungen gesät wurden. Selbst zwischen benachbarten Parzellen gab es kaum Wanderungen (S. 120). Die Landschaftsökologin Gabriele Anderlik-Wesinger macht den gleichen Besiedlungsversuch. Auf ihren unbesäten Parzellen siedelten sich statt der Wildblumen aber Ackerdistel und Löwenzahn an, nicht sonderlich erstrebenswerte Wegbegleiter ( S.118).
Beispiel Halbtrockenrasen: Seit 15 Jahren liegt in der Nähe von Kelheim eine Brachfläche unterhalb eines hochwertigen Naturschutzgebietes (also mit besten Einwanderungs-
voraussetzungen). Laut Martin Eicher vom Landschaftspflegeverein hat praktische keine Übersiedlung stattgefunden. Beispiel Hecksaum: Albert Reif und Günther Aulig dokumentierten in Oberfranken, saß sich an neuangelegten Feldhecken in der Regel Allerweltsarten des benachbarten Intensivgrünlandes einstellten, nicht aber die typischen Saumbegleiter. Beispiel Straßenböschungen:
Auch Schweizer Untersuchungen zeigen hier die gleiche Tendenz: Eine natürliche Besiedlung mit hochwertigen Arten findet nicht statt.
Diese Beispiele ließen sich beliebig fortführen. Wenn überhaupt, siedeln sich Wildstauden und Gräser nur dann von selbst an, wenn sie im Umkreis von 100-200m bereits natürlich wachsen.
Doch auch bei großer Nähe ist es fraglich, ob sich die erwünschten Arten zum richtigen Termin einfinden. Der Zufall entscheidet, ob der eine Same genau am richtigen Platz landet. Zudem existiert ein enges Zeitfenster für die Etablierung neuer Arten. Es ist so lange offen wie der Boden für eine Ansaat. Ansonsten aber stellen sich Allerweltsarten ein:Disteln, Ampfer, Quecke, Löwenzahn, Weißklee und Co. Ist aber der Platz erst einmal besetzt, kommen wertvolle Wildblumen zu spät. Die Einsaat oder Pflanzung ist deshalb eine Jahrhundertchance: Mit gezielten Maßnahmen können artenreiche Bestände langfristig etablieren. Nur so entsteht die erwünschte Pflanzenvielfalt und damit von Anfang an jede Menge Leben.

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