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Mimosa - Mimosariechstoffe und deren Verwendung in der heutigen Parfümerie

Helmut Führer, ChefparfümeurDie zur Gattung der Familie der Hülsenfrüchter (Unterfamilie Mimosoideen) gehörende Mimose kommt mit über 350 Arten in tropischen Regionen vor. Mimosa (aus dem griechischen Mimos = „Schauspieler", „Spötter") repräsentiert mit ihren kleinen goldgelben, zart duftenden Bällchen den farbenprächtigen Blütenzauber des südlichen Frühlings. Heute gedeihen die Kulturen überall, wo sie einen stark kieselhaltigen Boden finden und werden besonders in der südfranzösischen Provence, an der Côte d'Azur und an der italienischen Riviera in großem Maßstab angebaut. Um 1820 wurden aus den Tropen die wichtigsten Arten - Acacia dealbata und Acacia floribunda - nach Europa gebracht.

An der Riviera und in Südfrankreich werden etwa 32 verschiedene Arten Mimosen gezogen, deren Blüten in erster Linie als Schnittblumen dienen, erst in zweiter Linie dazu, den Duftstoff zu gewinnen. Hauptsächlich werden die Blüten von Acacia dealbata von Mitte Februar bis März/April auf Blütenöl verarbeitet, zu einer Zeit also, in der der Handel mit Schnittblumen bereits nachlässt. Zu ihrer Entwicklung braucht die Mimose viel Raum, gute Luft und Besonnung. Das sind die Voraussetzungen für eine reiche Blüten- ernte. Die gelben, weißlich leicht violetten Blüten stehen in Köpfchen oder Ähren, die Früchte sind Gliederhülsen.

Für die Gewinnung der Duftstoffe bedient man sich der Blüten von Acacia dealbata Link, diese werden in Südfrankreich durch Pfropfen auf Acacia melanoxylon gezogen. Günstige Bodenbeschaffenheit, besonders kalk- und kieselhaltiger Boden, warmes Klima sind für die Kultur dieser Leguminose sehr wichtig. Nach der Beschaffenheit und dem Verhalten der Fruchtwand bei der Samenreife zählt die Fruchthülse (legumen) der Mimose zu den Springfrüchten (Kapseln), sie besteht aus einem Fruchtblatt, welches sich bei allen Leguminosen septicid und loculid öffnet. Das Fruchtblatt trennt sich bei der Samenreife an der Verwachsungsstelle (septicid) und bekommt in der Mitte einen Längsriss (loculicid).

Die „Schamhafte Mimose" oder „Sinnpflanze", „Nolimetangere" oder „Rührmichnichtan", zeichnet eine gewisse Empfindsamkeit aus: Bei der geringsten Erschütterung klappen die Blättchen in Gelenkpolstern nach oben zusammen, schließlich klappt das ganze Blatt abwärts. Durch den Stengel greift der Reiz abwärts auf andere Blätter über. Nach einer Zeit der Ruhe nehmen die Blätter wieder ihre normale Lage ein. Verdunkelung (bzw. nach Sonnenuntergang) wirkt ähnlich (Schlafstellung). Der Mechanismus dieser Reizleitung beruht im wesentlichen auf osmotischen Vorgängen, die den Turgor ändern und auf der Leitung bestimmter Wirkstoffe.

Die französische Riechstoffindustrie verbrauchte in manchen Jahren bis zu 500 t Blüten. Ernten und Aussuchen der Blüten ist eine mühselige Arbeit. Man gewinnt das konkrete Öl der Mimosenblüten ausschließlich durch Ausziehen mit Petroläther. Mittels Wasser- dampfdestillation erhält man aus den Mimosenblüten praktisch kein Öl. Die Ausbeute an konkretem Cl beträgt 0,7 bis 0,88 %. Das konkrete Öl liefert 20 bis 25 % absolutes Öl und enthält 4,1 bis 6,2 % mit Wasserdampf flüchtige Stoffe. Das konkrete Öl ist eine wachsartige Masse, von ziemlich fester, honigartiger Konsistenz mit süßlich-wachsartigem an Bienenwachs erinnernden Geruch.

Das natürliche absolute Mimosenöl besitzt einen iris-honigartigen, süßen, leicht an Heliotropin und Anisaldehyd anklingenden Geruch. Es erreicht aber bei weitem nicht die charakteristische Nuance der frischen lebenden Mimosenblüte, mit ihrem staubig-pudrigen, veilchenartig frisch-süßen, auch leicht holzigen und ätherischen einmaligen Duft. Das natürliche Mimosenblütenöl (Essence de Mimose abs.) wird als Baustein in Verbindung mit anderen Riechstoffen und ätherischen Ö!en zur Herstellung von Mimosen-Basen-, Blumen- und Phantasieparfümölen eingesetzt. Das absolute Mimosenblütenöl ist aber auch ein ausgezeichnetes Adjuvans bei der Herstellung von Komplexen in Richtung Cassia, Geißblatt, Heliotrop, Maiglöckchen, Jasmin und Veilchen. In Frankreich und Amerika dient es zum Bukettieren von Eau de Cologne. Mimosa-Eau de Cologne und Mimosa-Toilette- wässer finden dort viele Abnehmer und Sympathien.

Um. den zarten Duft der lebenden natürlichen Mimosenblüten parfümistisch zu erfassen, ist besonders anfangs die ausgesprochen staubige Note zu beachten, die den Mimosenblüten so charakteristisch ist.

Diese staubige Note ergibt: p-Methylacetophenon, Benzalaceton und Benzophenon, Salicylsäuremethylester, entsprechend abgestimmt und abgerundet mit Anisaldehyd, Anisalkohol, Helioflor conc., Hydroxycitronellal, Lilial, Geranat, Mahagonat, Menthanylacetat, Linalool, zur feineren Abtönung eine geringe Dosage der Isobutyrate des Geraniols und Citronellols. Die frisch-veilchenartige Note der Mimosenblüte erreicht man mit einem guten Cassiablütenöl unter Hinzugabe von Jonon zur Untermalung des blütigen Grüngeruchs, die man auch mit geringen Dosierungen von Greenylacetat und Resedylacetat oder Resedylia erzielt.

Als abrundende Bukettierung dienen Jasmin-, Rosen-, Ylang-Ylang-Blütenöle und zur Unterstreichung des Charakters Neroliöl und etwas Aurantiol, die den orangenblütigen Hauch im Mimosenduft hervorheben. Vanillin, Cumarin unterstützen Guajakholzöl, Zimtalkohol und Zibet-Infusion (auch auf Basis von Civet 58 P) und verbinden harmonisch alle die Bukettstoffe mit den Extrakten Labdanum, Tolu und Perubalsam, die zur Fixierung notwendig sind. Zur Modifizierung dienen Bergamottöl Reggio oder Bergamottöl RCO, Vetiveröl, Amylsalicylat, Phenylalkohol und in Kleinstmengen Laurinaldehyd. Damit ist die parfümistische Skizzierung dieses zarten. Blütenduftes, mit seinem lieblichen - Empfindungswandel beim Anriechen und dem schönen leicht-pudrigen Nachduft des Fonds beim Abklingen auch in der letzten Phase erreicht.

Zur Herstellung eines Mimosenduftes für Seifen werden u. a.: Benzophenon, Cumarin, Phenylessigsäure, Resedylia S, Moschus Xylol, Extrakt Iris, Extrakt Labdanum, Extrakt Tolu, Mahagonat, Guajakholzöl, Zimtalkohol, Ylanat und Neroli 0/200780 empfohlen.

Dabei wird die Charakteristik u. a. durch: Anisaldehyd, p-Methylacetophenon,- Salicylsäuremethylester, Heptincarbonsäuremethylester hervorgehoben und der Aufbau des Corps (body) » erreicht mit: alpha-Amylzimtaldehyd, Benzylacetat, Anthranilsäuremethylester, Geraniol, Geranat, Citronellol, Nerolyol, Petitgrainöl, Bergamottöl DS, Bergamottöl RCO, Hydroxal S, Terpineol, Linalool.

Die Ähnlichkeit und Güte eines Mimosenkomplexes hängt zufolge der zarten und ätherischen Struktur nicht nur von der Art der Einzelbestandteile ab, sondern auch von deren Qualitätsgrad, darum sind allerbeste Ausgangsstoffe notwendig.

Das Verlangen nach einem guten, brauchbaren Mimosensubstitut hat immer vorgelegen, darum brachte die Riechstoff-Industrie gute Mimosen Spezialitäten (Basen) in den Handel, z. B. Base Mimosa 0/187070; diese honigartige, staubige und pudrige Note des echten Öles kommt auch in kosmetischen Zubereitungen schön heraus. Auf die gute Verbindung mit Jasmin- und Maiglöckchen-Komplexen darf hierbei hingewiesen werden.

Der Einsatz von Base Mimosa 0/187070 ist angezeigt in: Mimosen-, Veilchen-, Flieder-, Weißdorn-, Heunoten-, Ambra-, Maiglöckchen-, Heliotrop- und vielen Phantasie-Parfümölen. Das konkrete Mimosenöl oder auch die Base Mimosa 0/187070 ergeben in Seifenparfüms ganz hervorragende Resultate.



Aus dragoco report 07/1971
Mit freundlicher Genehmigung

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