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Leben in allen Etagen

Eine Wiese ist ein vielschichtiger Lebensraum. Nimmt man das wörtlich, so lassen sich wenigstens vier verschiedene Etagen ausmachen, die von verschiedenen Bewohnern genutzt werden.Der Blütenhorizont stellt für uns die sichtbarste Ebene dar. Hier finden sich hauptsächlich Blütenbesucher und solche Räuber, die es auf diese abgesehen haben. Die Mehrzahl der Gäste gehört zu Fliegen, Schwebfliegen, Wildbienen und Hummeln. Dazu gesellen sich blütenstaubfressende Wanzen oder Heuschrecken oder nektarsaugende Schmetterlinge. Distelfink, Grünfink, Goldammer, Hänfling und andere Samenfresser holen sich ebenfalls ihren Anteil. An Räubern werden hier beispielsweise beobachtet: Raubfliegen, Libellen, Spinnen und insektenfressende Vögel names Weißstorch und Neuntöter.Die Kraut- und Grasschicht liegt eine Stufe darunter und ist in ihrenm Tierleben unauffällig. Aus guten Gründen lassen sich die Bewohner weniger blicken, sie sind gefragte Beute vieler Jäger. Die meisten Arten sind Blattfresser, Saftsauger oder Stengelbohrer, die im Schnitt etwa 10% der Grünmasse verzehren. Schmetterlingsraupen, Blattwespenlarven, Heuschrecken, Blattkäfer, Rüsselkäfer, Blattläuse, Zikaden und Wanen nur als Beispiel. Viele Arten sind hochspezialisiert auf einzelne Wildpflanzen. Als Räuber und Parasiten tauchen auf: Schwebfliegenlarven, Marienkäfer und Schlupfwespen.Bodenauflage und Streuschicht beherbergen wieder eine ganz andere Fauna. Hier beginnt das Reich der Zersetzer und Zernager, die aus herabgefallenen Pflanzenteilen neuen Humus machen. Asseln, Springschwänze, Milben stellen ein Millionenherr. Räuber sind Laufkäfer, Ameisen, Amphibien und Reptilien.Der Erdboden selbst ist ein eigener Lebensraum, den Regenwurm und Maulwurf, Feldmaus, Käferlarven und Grillen bewohnen und nutzen. Sie profitieren in der einen oder anderen Weise von der Produktion oberhalb des Bodens.
Die tierischen Aktivitäten sind von vielen Faktoren abhängig. Jede Tiergruppe hat ihren eigenen Tagesrhythmus. Während Schnecken, Spinnen, Mäuse, Amphibien, Laufkäfer, Nachtfalter, Mücken und viele Blattfresser ihre aktive Phase in Dämmerung und Nacht legen, sind andere auf Sonnenlicht und Wärme angewiesen. Die ersten Gäste treffen mit Fliegen und Hummeln am späten Morgen ein. Scheint die Sonne warm genug, gesellen sich zunächst Tagschmetterlinge, dan Zikaden, Heuschrecken und Schwebfliegen dazu. Mit Wildbienen ist meist noch später zu rechnen. Auch Reptilien nutzen die Gunst der Sonne und wärmen sich erst auf.
Entscheidende Eingriffe stellen Mahd oder Beweidung dar. Aif einen Schlag verschwindet ein Großteil des Nahrungsangebots, der Deckung und des Schutzes. Von daher ist es sinnvoll, wenn nicht die gesamte Wiesenfläche auf einmal gemäht wird. Wenigstens Randbereiche sollten länger oder ganz stehen bleiben.
Welche Tierarten und wie viele Individuen schließlich eine Wiese beleben hängt vom Wiesentyp, dem natürlichen Standort und der Nutzung ab. Ein häufiger gemähter Parkrasen inmitten einer Großstadt bietet weniger Arten ein Zuhause als eine echte Wildblumenwiese am Rand eines Dorfes oder gar der ins natürliche Umfeld eingebettete Trockenrasen eines Felshanges. Grundsätzlich kann man jedoch davon ausgehen, daß die Zahl der tierischen Nutzer mit der Artenzahl der Wildpflanzen ansteigt: Je mehr heimische Wildblumen und Gräser die Wiese bietet, desto vielfältiger und lebendiger ist die Tierwelt. Was die Erforschung exakter Artenzahlen angeht, stehen wir hier erst am Anfang. Nur wenige wissenschaftlichen Untersuchungen haben sich bislang damit beschäftigt. Die aus vielen Einzelerhebungen zusammengestellte Tabelle bietet jedoch einige Anhaltspunkte.Sie zeigt, daß Wiesen in ihren verschiedenen Ausprägungen zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt zählen. Sie beherbergen zwischen 2000 und 7000 verschiedene Arten. Somit ist naturnahes Grünland heute eine Arche Noah des Artenschutzes.

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