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Früchtekuchen oder Wie der innere Zusammenhalt funktioniert

Früchtekuchen

Warme Gedanken

Ein mächtig würziger Kuchen, der in der kalten Jahreszeit warme Gedanken initiiert (4i!) und zusammenhält. 4 Gewürze sind drin: Kardamom, Nelken, Vanille, Muskat. Die verwendeten Gewürze wachsen dort, wo Menschen sich meist keine „warmen“ Gedanken machen, z.B. im subtropischen Indien und Südostasien. Und damit Kuchen wie dieser auch außerhalb der Adventszeit schmeckt, bleibt Zimt weg in solchen Kuchenrezepte! Das Rezept hier ist in Anlehnung an ein „Brigitte-Rezept“, ich habe es variieren müssen zwecks Resteverwertung.

Vorsicht, macht süchtig wie billiges EZB-Geld!

Leftover Backzutaten verwerten

Wichtig bei solchen „freihändig backen“ Sessions bzw. „Koalitionen von Zutaten“ ist allerdings, das nicht nur Mutti die im original Backrezept angegebenen Basiszutaten von Mehl, Zucker, Hefe, Butter und Eiern mengenmäßig korrekt vereint. Sonst stimmt das Verhältnis zueinander nicht, es fehlt der „innere Zusammenhalt“ und das ganze fällt einfach im Ofen auseinander wie einst die FDP im Bundestag oder wie eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Denn auch wie in der Politik ist hier der Anteil an eigensinnigen Gewürzen, „harten“ Nüssen und Trockenfrüchten recht hoch – einige davon haben über Monate als Überbleibsel planlos in meiner Küchenwelt Platz eingenommen und mussten jetzt allesamt irgendwie entsorgt werden. Sinnvoll nach Plan, … versteht sich.
Würziger Winterkuchen mit Geschmacksexplosion
Würziger Winterkuchen mit Geschmacksexplosion
Geschmacksprofil

Der dunkle nussige Schokoladenmantel verspricht viel Gutes und vor allem warme Gedanken. Diese übrig gebliebenen Zutaten schmecken jetzt in dieser exotisch anmutenden Konstellation aber alles andere als hart und trocken. Sowas von saftig-fruchtig, hier und da auch bissig-nussige Aspekte die ernsthaft wahrgenommen werden. Schokostücke im Inneren des orientalischen Kuchens lösen das Versprechen auf ein Geschmackserlebnis tatsächlich ein! Ein echter Charmeur, der es aber gaaanz weit über die 5 % Hürde schafft und mit seinem würzig sinnlichen Charakter die Freuden des guten Geschmacks mobilisiert. Ein harmonisches Gesamtkonzept, das wirklich schmeckt. Angenehm wohltuend, so wie man es eben nicht nur von Kuchen erwartet.

… das Rezept kommt gut mit dem längst überfälligen Winter

100 g Trockenfrüchte, die man findet (z.B. Datteln, Backpflaumen, Aprikosen, Feigen, Cranberries, Rosinen wer sie mag)
4 cl weißer Rum
1 Bio-Orange, davon Saft und Schalenabrieb
100 g dunkle Schokolade (mind. 70% Kakao)
250 g Nüsse, was man so findet (z.B. Mandeln, Walnüsse, Pistazien, Haselnüsse, aber keine Kokosraspel)
100 g Butterschmalz
60 g andalusisches Olivenöl (kann auch mit Butterschmalz ersetzt werden)
350 g Mehl Typ 550
25 g Hefe
75 g Zucker oder Rohrzucker
1 TL gemahlene Vanilleschoten (oder Päckchen Vanillin zur Not)
Prise Salz
1 TL gemahlener Kardamom
1/2 TL gemörserte oder gemahlene Nelken
1/3 TL Muskatnuss, frisch gerieben
2 Eier
75 ml Milch
125 g dunkle Kuchenglasur vermischt mit 80 g dunkler Schokolade
30 g Pistazien zum Bestreuen des Schokoladenmantels

Resteverwertung in der Backstube

Trockenfrüchte gegebenenfalls klein würfeln, mit Orangenabrieb, Orangensaft und Rum vermischen und über Nacht einweichen lassen. Schokolade und Nüsse grob hacken.

Teig

Aus dem Mehl, Zucker, Salz und Gewürzen eine Trockenmischung herstellen. Butterschmalz schmelzen. Hefe in warmer Milch auflösen und diese zusammen mit dem Butterschmalz in die Trockenmischung geben und verkneten. Eier unterrühren, Teig ordentlich verkneten und drei Stunden zugedeckt in der Nähe von Heizung aufgehen lassen.

Fortsetzung folgt in Kürze, muss fix einkaufen gehen vor Ladenschluss, …versprochen! Nachdem der Teig heute morgen zusammen mit der Sonne über dem Horizont aufgegangen ist und die Trockenfrüchte sich auf der gestrigen Party mit Rum vollgesogen haben, geht es jetzt weiter mit der „GroKo“ von Teig und geschmacksgebenden Zutaten.

Zubereitung

Wie eine Große Koalition wird der Teig zu einem Einerlei zurecht geknetet. Eingeweichte Früchte, gehackte Nüsse und Schokoladenstückchen nach und nach miteinander vermengen und mit Nachdruck bearbeiten. Dabei achtet nicht nur Mutti darauf, dass keine Zutat „vorlaut“ aus dem Rahmen bzw. Masse fällt. Ein Cluster von (roten) Früchten oder Nüssen in einem Kuchenstück schmeckt nicht wirklich ausgewogen und ist für die Stabilität des Kuchens nicht förderlich. Damit die Aromen sich vereinigen können, geht die „koalierte“ Kuchenmasse nochmals für 2 Stunden in Klausur, d.h. zugedeckt für sich wirken und ruhen lassen. Anschließend Teig zu einem Brotlaib formen und im vorgeheizten Ofen bei 160°C Umluft während 20 Minuten backen. Backtemperatur auf 140°C Umluft reduzieren und weitere 30 – 35 Minuten hellbraun backen.

Den Kuchenlaib abkühlen lassen und ihn dann mit einer Mischung aus geschmolzener Kuchenglasur und dunkler Schokolade großzügig wie Steuergeschenke einpinseln. Ein paar gehackte Pistazien auf den noch warmen Schokomantel streuen, es verleiht dem Ganzen einen grünen Touch der in diesem Fall gut mit den anderen Zutaten harmoniert. Den orientalischen Winterkuchen vollständig auskühlen lassen und tatsächlich eine Woche lang seinen Verlockungen widerstehen. Vor dem Genuss muss er nämlich fest in Alufolie eingepackt durchziehen um sein volles Aromaprofil entfalten zu können. Danach gibt es aber kein Halten mehr, man wird süchtig davon wie die Börsianer nach billigem Geld der Notenbanken… once bitten, twice addicted, yummie yumm!

Tipp

Wer noch Marzipan im Kühlschrank findet, kann diesen zu 100 g in die Kuchenmasse untermischen …

(Rezept: Stefan Schmitz, www.freihändigkochen.de)

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