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Jasmin

Wenn man von der Parfümerie und von Parfüms spricht, wandern die Gedanken unwillkürlich zu blumigen Noten wie Rose, Jasmin und Maiglöckchen, die das Herz vieler klassischer Parfüms bilden. Mehr als in jedem anderen Parfümerie-Rohstoff sehen die meisten Menschen im Jasmin ein Sinnbild für Qualität. Man denkt an Jasmin und meint Wohlgeruch und Duftfülle, verbindet damit aber auch den Gedanken an einmalige Parfüms.
Der Jasmin wurde zu allen Zeiten hoch geschätzt. Seine Geschichte liegt zum Teil im Dunkel. Wahrscheinlich jedoch ist, dass schon die Römerin Jasminblüten benutzte, allerdings hauptsächlich zu Dekorationszwecken. Auf alten Gemälden kann man sehen, dass Jasmin und andere Blumen auf Festen und bei religiösen Zeremonien in Indien und China in verschwenderischer Menge verstreut wurden. In Indien war die Blüte das Symbol für Hoffnung auf göttliche Hilfe, in China assoziierte man sie mit der Psyche der Frau. Noch heute verwenden die Chinesen zur Parfümierung ihrer Wohnungen Jasminblüten, und eine Tee-Zeremonie ohne Jasmin ist nicht denkbar. Asiatische und europäische Dichter haben den Duft des Jasmins seit Jahrhunderten besungen.

Schon immer waren die Menschen von den Jasminblüten fasziniert. Den zarten weißen Blüten traut man eine so starke Duftfülle kaum zu. Der seltsame Reiz, den der Duft des Jasmins auf die Sinne ausübt, ist ein Phänomen, das die Natur auch in anderen Blüten einsetzt - so in der Tuberose, dem weißen Flieder, der weißen Lilie und in der Orangenblüte.

Der Jasmin wurde früher in den wärmeren Gebieten der Erde angebaut und erst im 17. Jahrhundert nach Frankreich eingeführt. Die Botaniker konnten bis heute über 100 verschiedene Arten identifizieren. Die von den Parfümeuren besonders geschätzte Spezies ist Jasminum grandiflorum L., der jedoch durch Aufpfropfen zu Jasminum officinalis umgezüchtet wurde, damit die Pflanze auch unter weniger idealen Anbaubedingungen lebensfähig ist.
Für den Handel baut man den Jasmin in folgenden Gebieten an: in und um Grasse/ Frankreich (wo angeblich immer noch das qualitativ hochwertigste Produkt erzeugt wird), in Italien, Ägypten, Algerien und in geringerem Umfang in der Sowjetunion, in Bulgarien und in China.

Das Öl wird aus den Blüten durch Enfleurage oder durch Extraktion mit Hilfe von Lösungsmitteln gewonnen. Bei der Enfleurage ist die Ausbeute doppelt so hoch wie bei der Extraktion durch Lösungsmittel (im allgemeinen etwa
0,3 %, auf das Concréte bezogen); jedoch macht das durch Extraktion gewonnene Jasmin Absolue beinahe 90 % der gesamten Erzeugung aus, da das Enfleurage-Verfahren sehr viel arbeitsaufwendiger ist.

Enfleurage bedeutet, dass die Jasminblüten, die von Ende Juli bis Anfang' November geerntet werden, zwischen zwei mit einer Fettschicht bedeckten Platten ausgepresst werden. Wichtig ist, dass die Blüten frühmorgens gesammelt werden, wo die Ölkonzentration am höchsten ist. Jede Blüten-Charge wird 24 bis 48 Stunden lang gepresst; nach dieser Zeit werden die verbrauchten Blüten entfernt und durch frisch gepflückte ersetzt. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis das Fett von Öl gesättigt ist, was im Allgemeinen erst nach mehreren Monaten der Fall ist. Das Öl wird dann mit Alkohol aus dem Fett extrahiert und ergibt das Produkt, das unter dem Namen Absolue Jasmin de pommade bekannt ist.

Bei dem zweiten Verfahren werden die Jasminblüten mittels eines Kohlenwasserstoff-Lösungsmittels extrahiert, bei dem es sich normalerweise um Petroläther handelt; aber auch Benzol oder Hexan können verwendet werden. Nach Abdestillation des Lösungsmittels wird das anfallende Concrete mit Alkohol extrahiert, und man erhält das Absolue Jasmin éther.

Der Wert des anfallenden Jasmin Absolue ist in der Parfümerie und all denen, die sich mit der Entwicklung von Parfüms befassen, wohl bekannt. Jellinek) beschreibt den Geruch als „meistens schwül, mit mild-exaltierender Wirkung', wobei die schwüle Note durch das Zusammenwirken von Linalool, Benzylacetat, Methylanthranilat, Benzylalkohol und Indol entsteht.


Aus dragoco report 01/1975
Mit freundlicher Genehmigung

Jasmin blüht wo Odysseus strandete

Hubertus von Streit

Auf seinen Irrfahrten strandete Odysseus bei Scilla. Noch heute herrscht in der Meeresenge zwischen dem Festland und Sizilien eine solche Strömung, dass man sie deutlich an der Oberfläche erkennen kann. Auch heute noch kommt es vor, dass bei ungünstigen Wind- und Strömungsverhältnissen Schiffe hilflos in die Strudel geraten. Dann greift die Marine ein und schleppt mit den starken Maschinen ihrer Schiffe die Fahrzeuge aus der Strömung. Die Durchfahrt wird für kleine Schiffe gesperrt, wenn die gefährlichen Strömungen rechtzeitig erkannt werden. Da trotz der heutigen technischen Möglichkeiten Schiffe gefährdet werden, ist es. erklärlich, dass Odysseus mit seinen Fahrzeugen Schiffbruch erlitt. Die Nachfahren derer, die Odysseus einst Gastrecht gewährten, empfangen ihre
Gäste auch heute noch mit südländischer Herzlichkeit. Das sei dankbar bekundet; denn in dieses Land führte mich meine Reise. Bedingt durch seine wechselvolle Geschichte findet man in Süditalien und speziell auf Sizilien Baudenkmäler, in denen Kultureinflüsse verschiedener Völkerstämme wiederzu- finden sind. Sarazenen, Griechen, Römer und Hohenstaufen regierten einst in Sizilien, um nur einige zu. nennen. Auch an der Bevölkerung sind diese Epochen nicht spurlos vorübergegangen, und daraus resultiert vermutlich die besondere Mentalität der Sizilianer. Wie alle südlichen Länder ist auch Italien ein Land der Gegensätze. Von üppiger Vegetation bis zur steinigen Wüste sind es oft nur wenige Schritte. Das Land besitzt sehr viel Schönes, im Süden Italiens und auf Sizilien gibt es kaum eine Straße, die nicht nach wenigen Kilometern wieder den Blick auf das freie Meer öffnet oder unentwegt am tyrrhenischen oder ionischen Meer entlangführt. Der Pflanzenwuchs auf den Bergen ist karg, so dass schon Agaven und Feigenkakteen Mühe haben, mit ihren Wurzeln Halt und Nahrung zu finden. Was jedoch einmal Fuß gefasst hat, ist üppig und widerstandsfähig, ausgenommen sind die Gräser, die nur im Frühjahr grün sind, um dann bald durch Sonne und mangelnde Niederschläge braun zu werden. Wo es der Boden zulässt, befinden sich Kulturen, die schon seit Jahrhunderten gepflegt werden. Auch die Jasminpflanze in Calabrien, die dort seit ca. 1920 angebaut wird, muss gepflegt werden. Jasminum grandiflorum L. war in Indien heimisch und fand im Mittelmeerraum ein neues Zuhause, wo es prächtig gedeiht und der jahrhundertealten Vorliebe der Südländer für Wohlgerüche entgegenkommt.

Die Jasminkultur liefert hier wohl den wertvollsten natürlichen Riechstoff. In Calabrien gibt es viele alte Jasminkulturen, die seinerzeit unter den Bergamottebäumen angelegt wurden. Es' hat sich jedoch gezeigt, dass der Bergamottebaum die Entwicklung der Jasminbüsche später beeinträchtigte, deshalb ist man dazu übergegangen, beim Anlegen neuer Pflanzungen Jasmin und Bergamotte wieder zu trennen. Die Jasminpflanze als solche ist widerstandsfähig, ausgenommen gegen Kälte. Die Vermehrung geschieht, indem man Schößlinge zum Anwurzeln ins Treibbeet steckt. Die Büsche werden kaum höher als 1 m bis maximal 1,50 m.

Inzwischen hat man sich auch in Sizilien für diese Pflanze interessiert und es sind schon beachtliche Pflanzungen entstanden, besonders im Gebiet von Barcelona (Sizilien).

Die italienische Erzeugung von Jasmin-Produkten deckt ca. 40 % des Weltbedarfes, wovon etwa 10 % auf der Insel Sizilien anfallen. Die Preisentwicklung der letzten Jahre hat viele Bauern veranlasst, die Jasminproduktion zu erweitern, wodurch es bald zu einem größeren Angebot auf dem Markt kommen wird. Selbst auf Sizilien ist es heute nicht einfach, Arbeitskräfte in größerer Zahl zu finden und auch nicht so billig wie einst.

Die Jasminproduktion ist sehr lohnintensiv. Eine Person vermag pro Tag 10 kg Blüten zu pflücken. Um 1 kg Jasmin-Concrete herzustellen, werden ca. 300 kg Blüten benötigt. Zum Pflücken werden viel Kinder beschäftigt, die schon bei Sonnenaufgang mit der Arbeit beginnen. Ausbeute und Qualität sind am besten, wenn man die sich gerade öffnenden Blüten pflückt und zur Mittagszeit mit dem Pflücken aufhört. Die Erntezeit in Italien für Calabrien und Sizilien ist von Ende Juni bis Anfang November. Als Tourist bekommt man die Jasminpflanzungen selten in voller Blüte zu sehen, da man ja meist zu spät aufsteht! Wird man aber durch Schlaflosigkeit aus dem Bett getrieben und trifft auf ein Jasminfeld, in dem oft fast 100 Menschen Blüten pflücken, ist ein betörender Duft wahrnehmbar. Die Blüten sind unscheinbar, weiß mit einem blaurötlichen Blütenansatz. Man darf den Zustand der Pflanzungen nicht mit strengen Maßstäben messen; denn die Felder sind keineswegs frei von Steinen und das Unkraut wird im Wachstum nur gedämmt. Die Blüten werden gleich nach dem Pflücken in 10 cm dicker Schicht auf Chassis ausgebreitet. Je nach Höhe des Extraktionsbehälters werden entsprechend viele Einsätze benötigt. Dann wird der Extraktor mit Petroläther gefüllt. Je nach Erfahrung der verschiedenen Hersteller von Jas- min Concrete werden die Blüten mehrere Stunden im Petroläther belassen. Das Lösungsmittel dieses Behälters wird dann in den nächsten, mit frischen Jasminblüten gefüllten Extraktor geleitet, um so das Lösungsmittel weiterhin mit Blütenöl anzureichern. Danach wird das Lösungsmittel in eine Destillationsblase gefüllt. Dort wird zunächst bei vorsichtiger Erhitzung der Petroläther wieder abgetrieben und der Rückstand in eine kleine Destillationsanlage gepumpt. Unter Vakuum wird der Rest des Petroläthers abgetrieben und das reine Concrete bleibt in der Blase zurück. Die letzte Destillation findet bei ca. 60-70° statt. Das noch heiße Concrete wird aus der Blase abgelassen und hat zunächst einen brenzligen Beigeruch, der verlorengeht, sobald die Ware abkühlt und dabei schmalzartig erhärtet.

Concrete aus im August gepflückten Blüten, die sogenannte Cceurware, wird von den Parfümeuren bevorzugt. Das Jasmin Concrete dieser Erntezeit kommt dem Geruch der sich öffnenden Blüte am nächsten. Alle Versuche, den Geruch des natürlichen Jasmins nachzuahmen, führten bisher nur zu Teilerfolgen.

In der Riechstoff-Industrie wird für viele Parfümoele Jasmin Absolue verarbeitet, dazu muss das Concrete noch einmal mit Alkohol ausgewaschen werden. In Gefrierschleudern werden die Wachsbestandteile abgesondert und die im Alkohol gelösten Geruchstoffe durch eine schonende Vakuumdestillation isoliert.

In Calabrien gibt es nur wenige große Hersteller von Jasminprodukten, fast alle haben eigene Plantagen. Viele kleine Plantagenbesitzer produzieren mit primitiven Apparaturen pro Jahr nur 20-100 kg Concrete. Der Verkauf ist nicht so organisiert wie z. B. beim Bergamotteoel. Jeder einzelne versucht, sein Concrete selbst an den Mann zu bringen.

Vor einigen Jahren noch wurde fast das gesamte Concrete von Firmen aus Grasse aufgekauft und dort in Absolue umgearbeitet. Dadurch trat Italien auf dem Weltmarkt gar nicht so in Erscheinung. Heute hat sich die Situation geändert. Schon mehrere italienische Firmen bieten auch Jasmin Absolue an.
Manche kleine Pflanzungen sind im Besitz von wohlhabenden Unternehmern, die ihr Geld zumeist anderweitig verdienen, aber bei hohen Preisen erhoffen sie sich hiervon Gewinn. Die Anlagen zur Herstellung von Concrete werden nur für Jasmin verwendet und demnach nur ca. 4 Monate im Jahr benutzt, wodurch sich die Amortisationszeit dieser Anlagen verlängert.

Wenn man glaubt, dass das Heer der Pflücker nur aus „Trovatori" besteht, so wird man dort eines- besseren belehrt. Die weiblichen und männlichen Pflücker müssen sich sputen, um den lebensnotwendigen Lohn zu erzielen. Gesprochen wurde bei der Arbeit viel, jedoch habe ich keinen Gesang vernommen. Bezahlt wird der Pflücker nach dem abgelieferten Gewicht der Blüten. Daraus erklärt sich die zwangsweise erworbene Fingerfertigkeit schon bei Kindern. Durch je zwei im Abstand von etwa 1,50 m gepflanzten Buschreihen geht ein Pflücker, vor sich die mit Blüten übersäten Jasminsträucher, hinter ihm leuchtet nur noch das dunkle Grün der Blätter mit einigen bläulich roten. Punkten der Blütenknospen.
Neugierig wurde ich von den Pflückern beobachtet. Auf meine Bitte stellten sich genügend Damen als Fotomodell zur Verfügung. Diese Pflückerinnen sind die einzigen Farbflecken in der Landschaft, denn nur die Plantagen sind grün und die Berge der Umgebung schmutzigbraun. Dieses' Land hat manche Reize, trotz sehr vieler Steine bringt es Orangen, Citronen und Bergamotten sowie den begehrten Jasmin hervor. Der fruchtbare Boden, das günstige Klima und der Einfallsreichtum seiner Bewohner, auch mit primitiven Mitteln die Felder zu bewässern, lässt auch diese Pflanze gedeihen. Schon Homer hat, als er die Irrfahrten seines Helden Odysseus beschrieb, dieses Land und seine Bewohner mit Recht bewundert.



Aus dragoco report 02/1966
Mit freundlicher Genehmigung


Jasmin, Star unter den Düften

Karl Bergwein

Von allen ätherischen Ölen, die der Parfümindustrie zur Verfügung stehen, ist das Jasminblütenöl das wichtigste. Heute erzielt man damit bei einem neuen Parfüm zwar keine eigene Note, doch lässt sich ein bis fast zur Verdunstung beständiger herrlicher Blütenduft nur mit „Jasmin" erzielen. Es ist keinesfalls übertrieben zu behaupten, dass der Erfolg vieler französischer Parfüms vor allem auf weitgehender Verwendung von Jasmin beruht. Als Beispiel kann „Chanel 5" dienen. das um 1925 von Ernest Beaux „kreiert" wurde. Dieser gilt als Vater der „Aldehydnote". Aber auch der von ihm aufgezeigte Einsatz hoher Dosen Jasminöles ist besonders hervorzuheben; denn damit führte er neue Gedanken in die Parfümerie ein, abgesehen von der diesem Parfüm eigenen Note, die auf sorgfältig abgewogenen Mengen von Fettaldehyden beruht. Wenn nach mehr als 40 Jahren „Chanel Nr. 5" seinen Ruf halten konnte, so nur deshalb, weil Ernest Beaux damit ein echtes Meisterwerk geschaffen hatte.

Der echte Jasmin (Jasminum officinale), der nur in den wärmsten Teilen Mitteleuropas ausdauert, stammt wahrscheinlich aus den südlichen Vorbergen des Himalayas. Der aus Südeuropa stammende Pfeifenstrauch (Philadelphus) wird wegen seiner weißen, stark duftenden Blüten auch Garten-Jasmin oder falscher Jasmin genannt.

Zu den im Vorfrühling blühenden Sträuchern gehört der nacktblütige Jasmin (Jasminum nudiflorum), dessen gelbe Blüten vor dem grünen Laub erscheinen. Diese Blüten besitzen 6-zipflige Kronensäume und 2 Staubblätter. Der 1 1/2 m hohe Strauch stammt aus Ostasien und hat grüne rutenförmige Zweige. Die Blütezeit liegt zwischen Weihnachten und März. Die Extrakte des Jasmins werden alle von den Blüten des spanischen Jasmins (Jasminum grandiflorum L.) gewonnen, nur die Herstellungsmethoden sind verschieden.

Nach dem ältesten Verfahren, der Enfleurage à froid, erhält man zunächst ein mit Riechstoffen angereichertes Fett, die Pomade, aus der man durch Ausziehen mittels Alkohol, die sogenannten Lavages und weiter durch Abdestillieren des Lösungsmittels „Jasmin absolue enfleurage" oder „Absolue pomade" gewinnt. Letzteres ist eine zähe, durch ihren großen Gehalt an Indol, rotbraun gefärbte Flüssigkeit mit der hohen Säurezahl von etwa 110. Dieser Extrakt hat eine feine warme, doch leicht „fettige" Blüten-Note, doch findet man heute diese Form der Extraktion nur noch selten.

Die zweite Gewinnungsart der Jasminextrakte erfolgt durch Ausziehen der frischen Jasminblüten mit Hilfe von Petroläther oder Benzol. Nach Abdestillieren des Lösungsmittels erhält man zunächst die „Essence concrete Jasmin", eine wachsartige, rotbraun gefärbte Masse mit dem Erstarrungspunkt 49,5 bis 50,5° C und der Verseifungszahl 90 bis 120. Durch Entfernen des festen Blütenwachses gewinnt man aus dem Concrete dann „Essence absolue Jasmin" (éther, bzw. benzol). Bei gewöhnlicher Temperatur ist diese flüssig, enthält aber noch geruchlose Pflanzenstoffe und hat die Säurezahl von etwa 10, die Esterzahl von etwa 120. Das völlig vom Pflanzenwachs befreite Absolue kommt unter der Bezeichnung „Integralessence" als dünnflüssiges und wenig gefärbtes Öl in den Handel. Das Absolue éther riecht hell und strahlend, typisch nach dem Blütenduft ausstrahlend, und das „benzol" fruchtig, süßer, schwerer!

Eine dritte Form der Jasminextrakte ist „Jasmin absolue châssis". Diesen Extrakt gewinnt man aus den Blüten, die bei dem Enfleurageverfahren von den Chassis entfernt werden und früher nicht weiter verwertet wurden. Durch Ausziehen mit Petroläther stellt man heute - nur in einigen Grasser Häusern - aus diesen Blüten die zähflüssige durch den Indol-Anteil rötlich gefärbte „Essence absolue châssis" her, mit einer Säurezahl von etwa 25 und einer Esterzahl etwa 130. Dieser Jasminextrakt besitzt einen fruchtig-fettigen etwas an Birnenkompott erinnernden Geruch, und er eignet sich auch gut zur Abstimmung von Essenzen und Fruchtölen. In Essence absolue châssis überwiegen die schwerer flüchtigen Riech- stoffe wie Anthranilsäuremethylester, Indol, Jasmon, weshalb sie eine gute Fixierkraft hat.

Von den nach verschiedenen Gewinnungsmethoden aus Jasminblüten gewonnenen Blütenölen ist das „Jasmin absolue enfleurage" das wertvollste. Jasmin absolue éther (oder benzol), der heute gebräuchliche Ausdruck hierfür, erinnert am stärksten an den Duft der lebenden Blüte.

Die durch Ausziehen mit Hilfe tierischer Fette erhaltenen Erzeugnisse, insbesondere Jasmin absolue châssis, die aus toten Blüten stammen, wirken geruchlich weniger natürlich. Im übrigen wird dieses Verfahren der Gewinnung von Blütenölen heute kaum noch angewandt.

Man könnte fast sagen, dass es ohne natürlichen Jasmin kein großes Parfüm gibt, andererseits ist die Parfümerie bemüht, im Nachgang verschiedene andere blumige Noten zu bieten. Dabei setzte man gewisse Hoffnungen auf die „Butaflors". Im Verlaufe der Laboratoriumsversuche, die der industriellen Herstellung vorausgingen, hat man festgestellt, dass aus der Blüte des Maiglöckchens ein Riechstoffkomplex gewonnen werden konnte, dessen blumiger Duft zumindest so beständig ist wie der des Jasmins, so dass der feine Duft des Maiglöckchens auch bei extremer Verdunstung voll erhalten blieb. Man glaubte sich damit vom Zwange, Jasmin zu verwenden, freizumachen. Leider war die auf die Butaflors gesetzte Hoffnung trügerisch. Das Maiglöckchen gedeiht nur im Norden Frankreichs, im Mittelmeerklima findet es keine geeigneten Lebensbedingungen. Dort wo man Maiglöckchen erntet, ist der Ertrag zu stark vom Zufall abhängig, denn die Blütezeit ist kurz, der Lufttransport kostspielig und - obgleich schnell - den zarten Blüten abträglich. So ist man auch weiterhin auf Jasmin angewiesen, und gerade die großen Parfüms, auf die sich der Ruf der französischen Parfümerie stützt, werden sicher noch lange Zeit ihre. besten Eigenschaften dem Jasmin verdanken.

Jasmin ist aber nicht gleich Jasmin, und es ist eine bekannte Tatsache, dass der beste Jasmin in Frankreich, und zwar im Gebiet um Grasse angebaut wird. Man sagt, dass die Qualität des Duftes einer Blüte von der geographischen Lage ihre Standortes abhängig sei, und dass die Blüten der höchsten geographischen Breiten den besten Duft lieferten. Sicher trifft dies für den Jasmin von Grasse zu. Nördlich von Grasse gibt es keinen industriellen Anbau von Jasmin mehr, jedoch zahlreiche südlicher gelegene Kulturen, so in Italien, Algerien, Marokko, Palästina, Aegypten, China u. a. Selbst wenn man der Regel von der geographischen Breite keinen großen Wert beimisst, stimmen die meisten Fachleute doch darin überein, dass die Qualität des Jasmins von Grasse an der Spitze steht, wenn auch aus Süditalien heute Jasmin-Produkte kommen, die oft qualitativ durchaus befriedigen. Die Gründe für die hohe Grasser Qualität liegen vor allem in den klimatischen Bedingungen, am Boden und an den klimabedingten Anbaumethoden wie z. B. dem Pfropfen. Der Jasmin von Grasse ist ein Pfropfprodukt. Man pfropft dabei spanischen Jasmin (Jasminum grandiflorum) auf den in den Seealpen wild wachsenden gemeinen Jasmin (Jasminum officinalis). Dadurch unterscheidet sich Jasmin von Grasse von anderen Jasminarten, denn es handelt sich dabei nicht um einen von der Wurzel gezogenen Strauch, wie es überall dort der Fall ist, wo Jasmin für die Duftstoffgewinnung kultiviert wird.

Im Pfropfen des bodenständigen Jasmins liegt aber der Unterschied gegenüber anderen Jasminarten. Der Jasmin von Grasse erreicht nur eine Höhe von etwa 50 cm, während z. B. der Jasmin von Algerien die eines Menschen erreicht. Solange die Industrie von Grasse bei der Ernte und dem Transport der Jasminblüten die auf langer Erfahrung beruhenden Regeln beachtet,

wird der Jasmin von Grasse der qualitativ beste sein. Natürlich spielt auch die Fabrikationstechnik eine Rolle dabei. Um sich auch über die Kosten eines Jasminblüten-Produktes ein Bild machen zu können, sei erwähnt:

8000 Jasminblüten gehen auf 1 kg. Aus 350 kg Blüten erhält man 1 kg Jasminblütenöl.

Auch in Indien verwendet man mit Vorliebe Jasmin zur Herstellung natürlicher Parfüms. Dieser kommt in zahlreichen Arten vor: Jasminum grandiflorum, Jasminum sambac (mit den Spielarten Khoye-Battish, Motia-Bata und Rai), Jasminum auriculatum, Jasminum fructians, Jasminum augustifolium, Jasminum arborescens u. a. Fetthaltige Parfüms mit Jasminduft findet man in Indien unter den Bezeichnungen Bela, Jooee und Chamelioel. Seit vielen Generationen werden diese Parfüms von den Indern nach der Enfleurage-Methode in folgender Weise hergestellt:

Geschälte, gewaschene und an der inne getrocknete Sesamsamen breitet ran gleichmäßig aus und bedeckt sie mit einer Schicht frischer Jasminblüten. Darüber breitet man wiederum eine Schicht Samen, die ihrerseits wieder mit Jasminblüten bedeckt werden, und so fort. Dann deckt man alles sorgfältig ab und lässt es 12 Stunden stehen. Hiernach entfernt man die Blüten und ersetzt sie durch frische. Dieses Verfahren wird nach Belieben wiederholt. Schließlich presst man die Samen aus und sammelt das fette Öl, welches den Geruch der Jasminblüten angenommen hat. Ein zweites Verfahren beruht darauf, dass man mit Sesamöl getränkte Tücher verwendet und zwischen diese abwechselnd Schichten von Jasminblüten legt, letztere nach je 12 Stunden entfernt und durch frische Blüten ersetzt. Nach . Beendigung des Verfahrens werden die Tücher ausgepresst und das Öl gesammelt. Weitere Blütenparfüms werden durch Wasserdampfdestillation der Blüten über freiem Feuer gewonnen, wobei man das Destillat in Sandelholzöl leitete. Diese unter der Bezeichnung Itr of Goolab, Jasmin, Chambak, Bakul usw. auf dem Markt befindlichen Parfüms zeigen durch den dem Sandelholzöl eigenen Geruch nicht den reinen Duft der verwendeten Blüten. Diese mit fetten Ölen oder Sandelholzöl gemischten Parfüms werden Attars genannt. Man verwendet sie als Haaröle und zu anderen kosmetischen Zwecken.

Die von verschiedenen Forschern vorgenommenen chemischen Untersuchungen der durch Enfleurage gewonnenen, also restlos flüchtigen Jasminblütenöle ergaben ungefähr folgende Zusammensetzung:

60-65 % Benzylacetat, 15,5 % Linalool, 7,5 % Linalylacetat, 6 % Benzylalkohol, 3 % Jasmon, 2,5 % Indol, 0,5 % Anthranilsäuremethylester. Außerdem konnte noch die Anwesenheit von Geraniol, Farnesol und Paracresol festgestellt werden. Das Vorhandensein kleiner Mengen von Eugenol, Alkoholen und Aldehyden höherer Fettsäuren u. a. wird vermutet, konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden. Es sei hier darauf hingewiesen, dass ein Indolgehalt von 2,5 %, wie er im Jasmin absolue enfleurage normal ist, niemals in einem synthetischen Jasminblütenöl eingesetzt werden kann, man muss sich mit weit weniger begnügen. Der natürliche Indolgehalt der durch Extraktion gewonnenen Jasminprodukte ist auch weit geringer. Anthranilsäuremethylester und Indol sind Stickstoff enthaltende Körper, und man nimmt an, dass sie im Phyllopyrrol entstehen, das in den (durch Chlorophyll) grünen Teilen der Pflanze enthalten ist.

Bemerkenswert ist, dass gerade die schwülsten Düfte den blendend weißen, zart geformten Blüten des Jasmins, der Tuberose, des weißen Flieders, der weißen Lilie und den Orangeblüten eigen sind. Das gemeinsame Auftreten von Anthranilsäuremethylester und Indol in natürlichen Blütenölen ist fast immer mit einer schwülen Geruchswirkung verbunden.

Die Natur bedient sich beim Aufbau ihrer Duftkomplexe neben den uns zum überwiegenden Teile bekannten Riechstoffen, die quantitativ den wichtigsten Inhalt vieler natürlicher Kompositionen bilden, gern kleiner und kleinster Mengen. Diese daher schwer identifizierbaren Stoffe besitzen meist hervorragende Geruchsintensität und einen spezifischen Geruchscharakter für den ganzen Typ und besonders für dessen „Natürlichkeit". Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist es jedoch der analytischen Chemie gelungen, eine Reihe solcher Nuanceure zu identifizieren. Als Beispiele seien erwähnt: das Ambrettolid (Moschuslakton), Jasmon (Jasminketon), Indol, Skatol, Ambron, die höheren Fettaldehyde und neuerdings die Gruppe der Dragoide (oxide!).

Es gibt zahlreiche Arbeiten über die Bestandteile des Jasminöles, doch sind die Ergebnisse nicht systematisch veröffentlicht worden. So nimmt man allgemein im reinen Jasminoel einen Gehalt von 7 % Linalylacetat an, vor einiger Zeit hat jedoch Y. R. Naves nachgewiesen, dass Linalylacetat im reinen Jasminöl fehlt.

Selbst mit dem wohl geruchswichtigsten Körper, der das eigentliche Geruchsprinzip des Jasminöls ausmacht, dem Jasmon, ein Keton der Formel C11H160, ist es noch nicht gelungen, ein künstliches Jasminöl herzustellen, das das echte Produkt voll ersetzen kann. Jedoch bei der vielseitigen Verwendung des Jasminduftes' sind die künstlichen Jasminblütenöle von besonderer Bedeutung. Diese können durch ihren naturnahen Duft natürliche Jasminöle oftmals ersetzen. Oder mit ihnen eine Koexistenz bilden. Unabhängig von ihrer Ähnlichkeit mit dem natürlichen Produkt können sie eine neue Duftnote in die Komposition einbringen. Erwähnenswert ist, dass der Tuberosenduft schon in sehr geringer Dosierung dem Jasmindufteine sehr glückliche Nuance verleiht.

Folgende künstliche Jasminöle haben sich in der parfümistischen Praxis besonders bewährt:

0/121080 Jasminblüte besonders feine und kräftige Jasminbase
0/091360 Jasminflor der Duft des Jasmin absolue (Typ „benzol")
0/014600 Jasmonon hell eine feine Jasmin-Spezialität, nicht färbend
0/093280 Jasmin ein Jasminblütenöl von natürlicher Frische und
Strahlun.

Derartige hervorragende, synthetische Jasmin-Spezialitäten, unter Modifikation eines echten Jasmins, verhalfen schon vielen Parfüms zum Erfolg.


Aus dragoco report 12/1967
Mit freundlicher Genehmigung

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