Wenn man von der Parfümerie und von Parfüms spricht, wandern die Gedanken unwillkürlich zu blumigen Noten wie Rose,
Jasmin und Maiglöckchen, die das Herz vieler klassischer Parfüms bilden. Mehr als in jedem anderen Parfümerie-Rohstoff sehen die meisten Menschen im
Jasmin ein Sinnbild für Qualität. Man denkt an Jasmin und meint Wohlgeruch und Duftfülle, verbindet damit aber auch den Gedanken an einmalige Parfüms.
Der
Jasmin wurde zu allen Zeiten hoch geschätzt. Seine
Geschichte liegt zum Teil im Dunkel. Wahrscheinlich jedoch ist, dass schon die Römerin Jasminblüten benutzte, allerdings hauptsächlich zu Dekorationszwecken. Auf alten Gemälden kann man sehen, dass
Jasmin und andere Blumen auf Festen und bei religiösen Zeremonien in Indien und China in verschwenderischer Menge verstreut wurden. In Indien war die Blüte das Symbol für Hoffnung auf göttliche Hilfe, in China assoziierte man sie mit der Psyche der Frau. Noch heute verwenden die Chinesen zur Parfümierung ihrer Wohnungen Jasminblüten, und eine Tee-Zeremonie ohne
Jasmin ist nicht denkbar. Asiatische und europäische Dichter haben den Duft des Jasmins seit Jahrhunderten besungen.
Schon immer waren die Menschen von den Jasminblüten fasziniert. Den zarten weißen Blüten traut man eine so starke Duftfülle kaum zu. Der seltsame Reiz, den der Duft des Jasmins auf die Sinne ausübt, ist ein Phänomen, das die Natur auch in anderen Blüten einsetzt — so in der Tuberose, dem weißen Flieder, der weißen Lilie und in der Orangenblüte.
Der Jasmin wurde früher in den wärmeren Gebieten der Erde angebaut und erst im 17. Jahrhundert nach Frankreich eingeführt. Die Botaniker konnten bis heute über 100 verschiedene Arten identifizieren. Die von den Parfümeuren besonders geschätzte Spezies ist Jasminum grandiflorum L., der jedoch durch Aufpfropfen zu Jasminum officinalis umgezüchtet wurde, damit die Pflanze auch unter weniger idealen Anbaubedingungen lebensfähig ist.
Für den Handel baut man den Jasmin in folgenden Gebieten an: in und um Grasse/ Frankreich (wo angeblich immer noch das qualitativ hochwertigste Produkt erzeugt wird), in Italien, Ägypten, Algerien und in geringerem Umfang in der Sowjetunion, in Bulgarien und in China.
Das Öl wird aus den Blüten durch Enfleurage oder durch Extraktion mit Hilfe von Lösungsmitteln gewonnen. Bei der Enfleurage ist die Ausbeute doppelt so hoch wie bei der Extraktion durch Lösungsmittel (im allgemeinen etwa
0,3 %, auf das Concréte bezogen); jedoch macht das durch Extraktion gewonnene Jasmin Absolue beinahe 90 % der gesamten Erzeugung aus, da das Enfleurage-Verfahren sehr viel arbeitsaufwendiger ist.
Enfleurage bedeutet, dass die Jasminblüten, die von Ende Juli bis Anfang' November geerntet werden, zwischen zwei mit einer Fettschicht bedeckten Platten ausgepresst werden. Wichtig ist, dass die Blüten frühmorgens gesammelt werden, wo die Ölkonzentration am höchsten ist. Jede Blüten-Charge wird 24 bis 48 Stunden lang gepresst; nach dieser Zeit werden die verbrauchten Blüten entfernt und durch frisch gepflückte ersetzt. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis das Fett von Öl gesättigt ist, was im Allgemeinen erst nach mehreren Monaten der Fall ist. Das Öl wird dann mit Alkohol aus dem Fett extrahiert und ergibt das Produkt, das unter dem Namen Absolue Jasmin de pommade bekannt ist.
Bei dem zweiten Verfahren werden die Jasminblüten mittels eines Kohlenwasserstoff-Lösungsmittels extrahiert, bei dem es sich normalerweise um Petroläther handelt; aber auch Benzol oder Hexan können verwendet werden. Nach Abdestillation des Lösungsmittels wird das anfallende Concrete mit Alkohol extrahiert, und man erhält das Absolue Jasmin éther.
Der Wert des anfallenden Jasmin Absolue ist in der Parfümerie und all denen, die sich mit der Entwicklung von Parfüms befassen, wohl bekannt. Jellinek) beschreibt den Geruch als „meistens schwül, mit mild-exaltierender Wirkung', wobei die schwüle Note durch das Zusammenwirken von Linalool, Benzylacetat, Methylanthranilat, Benzylalkohol und Indol entsteht.
Aus dragoco report 01/1975
Mit freundlicher Genehmigung